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2017–2020

Wegkapelle, Dillingen an der Donau Mehr lesen

© Marcus Ebener

Eine Wegkapelle zu errichten, ist eine seltene Bauaufgabe. Für das Projekt 7 Kapellen wurden sieben Architekten von der Siegfried und Elfriede Denzel Stiftung beauftragt, zeitgemäße Holzkapellen entlang der neu entstandenen Radwege in der Gegend zu entwerfen, die gleichermaßen Wegmarken und Orte der Begegnung und Einkehr sind. Als Besonderheit konnten die Architekten den Ort der Kapelle selbst auswählen. Wir entscheiden uns für eine kleine Baugruppe inmitten von Feldern an einem leichten Hang über Kesselostheim.
Der Ort legte nahe, die Kapelle als Turm auf Fernsicht anzulegen: eine zeichenhafte Form, hoch genug, um von weitem gesehen werden zu können und schmal genug, um zwischen den Bäumen Platz zu finden. Seine Bauweise sollte die Landschaft und den Kapellenraum auf besondere Weise in Beziehung setzen. Der Kapellenturm ist aus einzelnen Holzlamellen gefügt, die sich wie ein Flügelschlag zum Himmel auffächern und eine durchlässige Raumhülle bilden, durch die Sonnenlicht, Wind, Regen und Schnee ins Innere der Kapelle gelangen.
Ein quer zum Hang angelegtes Plateau inszeniert mit einfachen Mitteln den Weg zum Kapellenturm. Der Blick geht in die Landschaft, wenn man den schmalen, von einer Sitzbank gesäumten Weg betritt. Er führt am Kapellenturm vorbei auf eine kleine Fläche mit einer überdachten Bank, die dem Kapelleneingang zugewandt ist. Wer hier rastet, erhascht einen ersten Blick in den Kapellenraum. Betritt man ihn, wird man von einem hohen, in gedämpftes Licht getauchten Raum empfangen. Durch die höher gelegenen Lamellen fällt Sonnenlicht ein und wirft ein flüchtiges Muster auf die Hölzer. Mit zunehmender Höhe verengt sich der Raum und wird schließlich von einem Kreuz begrenzt, das die hölzerne Tragkonstruktion in die Öffnung zeichnet.

Projektdetails

Thomas-Wechs-Preis 2021 – Lobende Erwähnung

Direktauftrag 2017
Bauherrin Siegfried und Elfriede Denzel-Stiftung
Planungsbeginn 2017
Fertigstellung 2020

Planung und Realisierung
Projektkoordination: Ulf Theenhausen
Projektleitung: Marienne Wissmann
Team: Petra Wäldle, Jamie Queisser, Gerriet Behrens